Balearen, September 2013

 

 

Hola Mallorca
 

Unser 4-tägiger Kurztrip nach Mallorca begann wie immer auf dem Zürcher Flughafen. Ich weiss nicht, wie wir es schaffen, immer viel zu früh dort zu sein. Diesmal lag es wahrscheinlich daran, dass wir es kaum abwarten konnten, in die Wärme zu kommen und die Gedanken an den momentan stressigen Alltag hinter uns zu lassen, was in der kurzen Zeit unseres Aufenthaltes aber gar nicht so einfach war.

 

Durch unsere frühe Ankunft waren wir jetzt wenigstens informiert über 'Heidi und ihre Probleme'. Ihr wisst nicht, wer Heidi ist? Wussten wir bis zu diesem Zeitpunkt auch nicht ... aber setzt euch mal in die Wartelounge vor dem Abflug-Gate. Vielleicht erlebt ihr dort auch eine männliche oder weibliche Quasseltante, deren Lautstärke beim telefonieren jeden Lautsprecher übertönt. Dann seid auch ihr über besagte Heidi oder eine andere Person, die euch nicht die Bohne interessiert, auf dem Laufenden wink.

 

Über die Preise am Flughafen wunder ich mich ja auch schon lange nicht mehr ... so auch nicht über den Becher heisses Wasser für 4.50. OK, zugegeben, ein Teebeutelchen schwamm auch noch darin herum. 

 

Nach kurzer Flugzeit auf dem Aeroport de Son Sant Joan gelandet, dachte ich ... Mallorca, da sind wir wieder. Von früheren Aufenthalten war uns der Flughafen nicht mehr fremd. Nun noch zum Mietwagenschalter und dann nichts wie weg. Dachte ich. Doch hier wurde uns erstmal eine Vollkasko für unseren Mietwagen ans Herz gelegt. Komisch, in der Vergangenheit hatte das niemand interessiert. Aber da man ja auf Sicherheit bedacht ist - nicht, dass nach 35 Jahren unfallfreiem Fahren ausgerechnet auf Mallorca was passieren würde ...  - liessen wir uns darauf ein. Nicht ohne Grollen, da ich daheim versäumt hatte zu checken, ob meine Versicherungspolice einen eventuellen Schaden nicht abdecken würde. Man lernt nie aus ...

 

Nun im Parkhaus noch den Schlüssel schnappen und dann gehts aber los. Dachte ich. Doch zuerst mussten wir auf einen der netten Herren warten, der uns zum Auto begleiten und eventuelle Schäden feststellen und schriftlich festhalten würde. Was ja eigentlich Sinn macht, hatte bisher aber auch niemanden interessiert.

 

Irgendwann konnten aber auch wir uns in die Schlange der ausfahrenden Autos einreihen und los ging es Richtung Costa d'en Blanes im Süden Mallorcas, nach Punta Negra. Die Strassen kamen uns bereits wieder bekannt vor. Übrigens scheint Mallorca Kreisel zu lieben ... und ich auch. Da konnte sogar ich als manchmal orientierungsloses Wesen meinem Mann erklären, dass man an Kreisel Nummer 4 abbiegen muss. Hm ... oder war es Nummer 5 wink ?

 

Das ausgewählte H10 Hotel kannte ich bereits von meinem Besuch im letzten Herbst. Es liegt auf einer kleinen Halbinsel und bietet Gästezimmer und freistehende Villen. Das Hotel ist zwar schon ein bisschen in die Jahre gekommen, wurde aber kürzlich erst renoviert und ist mit seiner sehr zentralen Lage für mich der perfekte Aufenthaltsort für einen Kurztrip. Die Anlage ist gepflegt und weitläufig und hat zwei idyllische Badebuchten.

 

 

Überhaupt wirkt das Hotel sehr gemütlich. Das Zimmer mit Meerblick hatte eine ansprechende Grösse und war modern eingerichtet.

 

 

Wir hatten an unserem Ankunftsabend sogar das Glück, ohne Reservation einen der begehrten Plätze auf der Terrasse des Restaurants Mediterraneo zu bekommen. In meinen Augen das einzige Manko an diesem Hotel: für eine Kapazität von 135 Zimmern - also sicher mindestens 200 Personen - ist dieses Restaurant viel zu klein. Sollte das Wetter schlecht sein, ist die Platzzahl noch begrenzter. Da ich nun schon zum zweiten Mal erlebt habe - beide Male im Herbst - , dass das Buffetrestaurant Panoramico nur zum Frühstück geöffnet ist, besteht hier leider auch keine Ausweichmöglichkeit.

 

Aber ... wenn man einen Platz im Mediterraneo bekommt, kann man ein wunderbares Dinner geniessen (die Preise schluckt man besser einfach ... smiley). Die Küche ist hervorragend und hat sich qualitativ seit dem letzten Herbst nicht verändert. Das freute mich, hatte ich doch meinem Mann schon oft davon vorgeschwärmt.

 

Das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen liess keine, aber wirklich keine Wünsche offen. Im Panoramico ist an kalten und warmen Speisen alles erhältlich, was das Frühstücksherz begehren könnte. Bis man bei der Nespresso-Maschine seinen Lieblingskaffee gefunden hat, muss man sich halt einmal quer durch sämtliche Sorten probieren. Wir bevorzugten dann allerdings, draussen auf der Pool-Terrasse zu frühstücken. Hier ist die Auswahl nicht ganz so gross, aber immer noch mehr als ausreichend. Wenn man allerdings einen Cappuccino wollte, musste man auf die gute Laune des Barkeepers hoffen. War diese gut, war auch der Cappuccino super. War sie schlecht, bekam man einen Kaffee mit einem Schuss warmer Milch hingeknallt. Er hatte nicht immer gute Laune ...

 

 

Wir hatten das Glück, dass zufällig Freunde von uns zur gleichen Zeit auf Mallorca waren, allerdings nicht im gleichen Hotel. Für diesen Tag waren wir um die Mittagszeit in Palma verabredet. Warum mit dem Auto nach Palma fahren, wenn die Bushaltestelle fast vor der Hoteltür ist. Also machten wir uns dorthin auf den Weg und hofften, dass das Wetter halten würde. Die Wolken am Himmel liessen sich allerdings alle Möglichkeiten offen.

 

Die Freude war gross, unsere Freunde wie abgemacht in einem kleinen Café in der Nähe der Kathedrale La Seu in Palma zu treffen.

 

 

 

Wir erzählten lang und ausgiebig, bevor wir uns zu einem Bummel durch Palma aufmachten. Die Altstadt, die Geschäfte, die Menschen sind immer wieder faszinierend. Sicher, Palma ist - wie viele andere schöne Städte auch - im September fest in Touristenhand. Aber das störte mich gar nicht. Schliesslich sind wir ja selbst Touristen und ohne das Gewimmel von Menschen wäre es doch ein ganzes Stück langweiliger.

 

 

Eine Stärkung zwischendurch durfte natürlich auch nicht fehlen. Diese nahmen wir - in Form von typischem Gebäck und Aperol Spritz (vielleicht eine merkwürdige Mischung, aber sooo gut ...) - in der ältesten Bäckerei mit Café Palmas, dem Forn des Teatre an der Plaza Weyler.  Hier draussen zu sitzen ist definitiv interessanter als jedes Fernsehprogramm. Dem bunten Gemisch von Sprachen und Menschen zuzuhören und zuzusehen, liess die Zeit wie im Flug vergehen.

 

 

 

Am späten Nachmittag wurde der Himmel immer dunkler. Da unsere Freunde in ihrem Hotel zum Abendessen erwartet wurden, machten wir uns langsam wieder auf den Weg zur Bushaltestelle, hier trennten sich für diesen Tag unsere Wege. Wir hofften, noch trocken zurück zu kommen. Diesen Gedanken hatten offenbar auch die vielen anderen Wartenden, mit denen wir uns schlussendlich in den Bus quetschten.

 

Es tröpfelte. Es regnete. Es schüttete. Als wir an unserem Ziel ankamen, ging ein Wolkenbruch runter, wie ich ihn noch nicht erlebt hatte. Aussteigen und schnell unter das vermeintlich schützende Dach der Bushaltestelle gerannt. Wie kamen wir hier wieder weg? Die 300 m zum Hotel kamen mir endlos lang vor. Da standen wir nun am Kreisel 4 (... oder 5) und waren den vorbeifahrenden Autos ausgesetzt. Jedes, aber auch jedes der Fahrzeuge duschte uns mit einer Wasserfontäne von oben bis unten. War das hier ein Volkssport? Wohl eher reine Rücksichtslosigkeit. Wie auch immer ... jetzt waren wir eh schon von Kopf bis Fuss nass. Da konnten wir auch durch den Wolkenbruch zum Hotel rennen.  Vorher zog ich aber noch meine Schuhe aus und stopfte sie in die - wenigstens innen - noch trockene Handtasche. Frau ist ja heikel, was Schuhe angeht wink. Im Hotel angekommen hoffte ich - natürlich vergeblich - dass mich so niemand sah.

 

Kleine Wasserpfützen unter uns lassend marschierten wir in unser Zimmer. Wie wir später erfuhren, hätte es schlimmer kommen können. Unsere Freunde wateten auf dem Weg zum Hotel durch kniehohes Wasser ...

 

Am nächsten Tag überlegten wir nach einem wie immer ausgiebigen Frühstück, an die Cala Ratjada zu fahren. Das bedeutete, einmal quer über die Insel in den Nordosten von Mallorca. Bis Manacor gibt es eine Autobahn, aber auch die Landstrassen sind ganz wunderbar ausgebaut. Ein kurzer Anruf ... und wir machten den Ausflug zu viert. Der Hafen von Cala Ratjada ist offenbar der zweitgrösste Fischerhafen nach Palma. An der Promenade kann man wunderbar sitzen, die Sonne geniessen und das Treiben im Hafen beobachten. War interessant, was man da sah. Zum Beispiel einen Charter-Segler mit jeder Menge Besatzung an Bord, von denen - das war leider offensichtlich - jeder soviel Ahnung vom Anlegen hatte wie ein Fisch vom Surfen. Verzweifelt bemühte sich die Mannschaft, das grosse Schiff in einer Box unter zu bringen. Mal lag es backbord quer davor, mal steuerbord. Alle Besitzer der Nachbarboote befanden sich in Alarmstellung an Bord und leisteten Hilfe, wahrscheinlich weil sie um ihre eigenen Boote fürchteten. Und das mit Recht. Aber als Zuschauer hat man leicht Reden ... böseböse wink.

 

 

Cala Ratjada hat ein besonderes Flair. Ganz in der Nähe gibt es offenbar auch ein paar besonders schöne Strände, die wir allerdings nicht besucht haben, denn wie immer verging die Zeit viel zu schnell. Auf dem Rückweg beschlossen unsere Freunde, bei unserem Hotel in den Bus zu steigen, der sie weiter nach Paguera bringen sollte. Natürlich fuhr uns der Bus vor der Nase davon, so dass wir hinterher fuhren und ihn an der übernächsten Haltestelle noch erwischten. Auch an diesem Abend haben wir im Hotel wieder sehr gut gegessen und dann ... Fussball geschaut. Wat mut dat mut ...

 

Schon bei meinem letzten Mallorca Besuch hatte ich mir gewünscht, mal mit der Holzeisenbahn von Palma nach Soller zu fahren. Damals hat es zeitlich nicht gereicht, doch diesmal passte es.

 

 

Wieder einmal spazierten wir zur Bushaltestelle, um nach Palma zu fahren. An der Hotelrezeption hatte man uns schon gewarnt ... die Abfahrtszeiten seien nicht sehr verbindlich. Nun ja, wir hatten genügend Zeit, die Eisenbahn verliess Palma erst um 13:30 Uhr. Der erste Bus kam - nur 10 Minuten später als erwartet. Oha, dass die Leute nicht noch aus den Fenstern hingen, war alles. Der Bus war dermassen überfüllt, da hätte nicht mal mehr meine Handtasche rein gepasst.

 

Also weiter warten, eine halbe Stunde verging, der nächste Bus kam. Das gleiche Schauspiel. Diesmal half alles nichts. Wenn wir die Soller-Bahn noch erwischen wollten, mussten wir da rein. Atem anhalten, Bauch einziehen und reingequetscht. Jetzt weiss ich, wie sich eine Sardine fühlt. Wir hatten ausgerechnet den langsameren Bus der beiden Linien nach Palma erwischt. Der bummelte gemütlich vor sich hin und hielt an jedem Hühnerhaufen. Ich wäre jede Wette eingegangen, dass wir das zeitlich nicht mehr schaffen. Genau 5 Minuten vor Abfahrt des Zuges kamen wir in Palma in einer Art unterirdischem Bushof an. Tatsächlich haben wir es fertig gebracht, in diesen paar Minuten wieder ans Tageslicht zu kommen, uns zu erkundigen, wo der Zug denn abfährt und um die nächste Ecke zu rennen, wo der 'Rote Blitz' abfahrbereit stand. Der nette Schaffner wartete, bis wir unsere Fahrkarten hatten und dann ging es auch schon los.

 

Das besondere Flair der Holzeisenbahn, genannt Ferrocarril, versetzte uns in vergangene Zeiten zurück. Gut geschüttelt - nicht gerührt wink - bummelten wir durch die hügelige Landschaft des Tramuntanagebirges bis nach Soller. Die Bahnstrecke besteht seit 1912 und für die ca. 27 km benötigten wir ungefähr 1 Stunde.

 

 

Das Besondere an diesem Tag war wirklich die Fahrt mit dem Zug. Soller selbst fand ich jetzt nicht sooo reizvoll. Natürlich hat das Örtchen schöne Ecken, aber es war unheimlich überlaufen.

 

 

 

Mit einer alten Strassenbahn ging es weiter zum malerischen Naturhafen von Soller. Restaurants, Cafés und Geschäfte säumen die Uferpromenade und bei einem Cappuccino kann man das quirlige Treiben entspannt beobachten.

 

 

Entspannt waren wir allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir uns Gedanken zur Rückfahrt nach Soller machten. Eine Strassenbahn nach der anderen quoll über vor Menschen oder war reserviert für grosse Gruppen. Um die Eisenbahn runter nach Palma nicht zu verpassen, nahmen wir schlussendlich ein Taxi.

 

Auch der Bahnhof von Soller war unglaublich überfüllt, jeder wollte schliesslich den letzten Zug nach Palma erwischen. Doch trotz dieser Menschenmassen hat sich die Bahnfahrt gelohnt und war ein ganz spezielles Erlebnis.

 

Der nächste Tag war auch bereits wieder unser Abreisetag. Unser Flug ging erst am späten Nachmittag und so nutzten wir die verbleibende Zeit für einen Besuch von Port Andratx. Hier gefiel es mir schon bei meinem Besuch im Herbst letzten Jahres besonders gut. Eigentlich teilt sich der Hafen in zwei Teile. Einerseits kann man Segel- und Motoryachten bestaunen, andererseits gibt es auch einen schönen Fischerhafen, der uns wesentlich besser gefiel.

 

 

In den vielen Restaurants entlang des Hafens kann man hervorragend essen, gerne würde ich das mal am Abend erleben. Der Bummel an den kleinen Geschäften und Galerien entlang war richtig friedlich; der Ort war nicht überlaufen und wir fühlten uns rundum wohl.

 

 

Von Andratx aus ging es dann am Nachmittag Richtung Flughafen. Die Zeit reichte noch für einen Lunch auf der Flaniermeile am Hafen von Portals Nous. Hier ankerten riesige Yachten, die aussahen, als würden sie nur geputzt, aber nicht benutzt. Man muss ja zeigen, was man hat .... Für mich kein Ort zum Urlaub machen, aber trotzdem nett für einen Ausflug. Hier erfuhren wir dann per SMS, dass unsere Maschine nach Zürich mindestens eine Stunde Verspätung haben würde.

 

Also konnten wir uns Zeit lassen auf unserem Weg zum Flughafen. Die Autobahn dorthin war voll wie immer und ich nahm mal wieder die falsche Abzweigung in die Mietwagengarage ... auch wie immer. Hier sollte man genügend Zeit einplanen, den zuständigen Herrn im roten T-Shirt zu finden, der uns schlussendlich bescheinigte, in den Mietwagen nicht mehr Beulen gefahren zu haben, als ohnehin schon drin waren. Beim check-in trafen wir auch unsere Freunde wieder, die den gleichen Heimflug hatten. Der Airport von Mallorca bietet sich nun nicht unbedingt dafür an, hier Stunden zu verbringen und wir waren froh, die Zeit bis zum Abflug miteinander verplaudern zu können. Der Grund für die Verspätung war ein technischer Defekt an der Maschine von Zürich nach Mallorca. Da konnte uns ja nichts mehr passieren ... mehr als einen Defekt am Tag würde sich die SWISS nicht leisten smiley.

 

Schon jetzt freue ich mich auf unseren nächsten Mallorca-Besuch. Wer einmal auf dieser wunderschönen Insel war, kommt sicher gerne wieder. Auf uns trifft das auf jeden Fall zu.

 

Hasta la vista,
eure Sue

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